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Interpretation "Das Brot"
geschrieben von: Tillmann24 (IP-Adresse bekannt)
Datum: 18. Mai 2007 22:50

Hej!
Ich hab mich hier mal an ner Interpretation von der Kurzgeschichte "Das Brot" von Wolfgang Borchert versucht. Wär nett, wenn ihr ma n bissl drübergucken und mir n Feedback geben könntet. Ich hab nich Korrektur gelesen, dementsprechend sind bestimmt einige Fehler drin. Lasst euch davon nich beeinflussen. Ausserdem hatt ich leider keine Zeilenangaben, das dürfte die komischen Fragezeichen zwischendurch erklären und das Zitieren hab ich mir aus Faulheit einfach mal gespart. Mir gehts also mehr um euren Eindruck was das Inhaltliche betrifft. Freu mich über Rückmeldung, welcher Art auch immer. Merci!



Interpretation „Das Brot“

Die Kurzgeschichte „Das Brot“ von Wolfgang Borchert, veröffentlicht 1946, handelt von einer Frau, die mitten in der Nacht ihren Mann dabei ertappt wie er heimlich eine Scheibe Brot essen will.

Eine Frau wacht nachts um halb drei auf, weil sie Geräusche aus der Küche hört. Auch ihr Mann scheint wach zu sein, denn er liegt nicht im Bett.
Als sie in die Küche geht um nachzusehen sieht sie dort ihren Mann. Die Frau bemerkt, dass er sich etwas Brot abgeschnitten haben müsse, da Krümel auf der Decke des Küchentischs zu sehen sind und auch das Messer noch neben dem Brotteller liegt.
Der Mann tut so als ob es den Teller nicht gebe und meint, dass er aufgestanden sei, weil er Geräusche aus der Küche gehört habe und nachsehen habe wolle ob dort irgendetwas sei.
Die Frau erwidert, dass auch sie die Geräusche gehört habe, doch sie weiß, dass er lügt.
Sie stellt den Teller vom Tisch, schnappt die Krümel von der Decke und tut so, als ob sie nichts bemerkt habe. Dem Mann sagt sie, dass die Geräusche wohl von der Dachrinne kommen würden, die bei Wind gegen die Wand schlage und bittet ihn mit ins Bett zu kommen.
Der Mann stimmt ihr zu, doch an seiner Stimme erkennt die Frau, dass er nicht die Wahrheit sagt.
Als beide im Bett liegen hört die Frau, die so tut als würde sie bereits schlafen, wie ihr Mann leise kaut.
Am nächsten Abend, als der Mann nach Hause kommt stellt ihm die Frau vier Scheiben Brot auf den Tisch, deren es bisher immer nur drei waren. Sie sagt, dass ihr das Brot nicht gut bekäme und er somit eine Scheibe mehr haben könne.
Der Mann blickt auf seinen Teller und sagt ohne seine Frau dabei anzusehen, dass sie doch mehr als zwei Scheiben essen müsse.
Doch seine Frau erwidert, dass sie abends kein Brot vertrage.


Mit seiner Kurzgeschichte „Das Brot“ beschreibt Wolfgang Borchert die existentiellen wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Nachkriegszeit und deren Bedeutung für das Zusammenleben der betroffenen Menschen.

Borcherts Text weist alle für eine Kurzgeschichte typischen Merkmale auf.
Gleich mit dem ersten Satz befindet man sich unvermittelt im Ablauf der Geschichte, die aus dem Leben eher durchschnittlicher Menschen berichtet, die anonym bleiben. Die Geschichte ist zeitlos und durchaus realistisch gehalten. Vor dem in der Deutungshypothese bereits angesprochenen Hintergrund kann ebenso von einem schicksalhaften Ereignis ausgegangen werden, das in nüchternen Parataxen vorgetragen wird.
Der Autor schreibt in der Er-/Sie-Form und wendet ein personales Erzählverhalten an, das zum größten Teil aus der Sicht der Frau berichtet. Innere Gedankenabläufe des Mannes tauchen in Zeile (…) auf […..]. Somit erhält der Leser auch eine Innensicht auf die Figuren der Handlung. Typisch für eine Kurzgeschichte ist der eher distanzierte räumliche und zeitliche Standort des Erzählers, was der Geschichte eine nüchterne und kühle Atmosphäre verleiht. Somit ist die Haltung des Erzählers zum Geschehen auch als neutral zu deuten.
Borchert lässt seine Handlungsfiguren anhand direkter Rede, aber auch Bewusstseinstromtechnik, in Art innerer Monologe zu Wort kommen. Wobei diese inneren Monologe durch die personale Orientierung an der Frau mehr über sie erfahren lassen.
Ein erstes Anzeichen dafür, dass die Handlung in der Nachkriegszeit spielt erhält man bereits, wenn man auf das Erscheinungsjahr der Kurzgeschichte blickt. Die Geschichte wurde 1946 veröffentlicht und damit kurz nach dem 2. Weltkrieg. Diese Zeit war von existenziellen Sorgen und Überlebensstrategien geprägt. Die Menschen mussten verloren gegangene Ideale, Häuser und Lebensräume wiederaufbauen und den Glauben an sich und das Leben zurückgewinnen. Dies wurde erschwert durch das wirtschaftliche Chaos und die Tatsache, dass vielen Menschen alles genommen wurde und sie dadurch gezwungen waren mit dem wenigsten auszukommen. Auch die vorhandenen Lebensmittel mussten sorgfältig rationiert und aufgeteilt werden um überleben zu können.
Gleich zu Beginn wird der Leser mit einer Inversion direkt in den Handlungsablauf „gestoßen“. Man kann förmlich spüren wie die Frau ihre Augen öffnet, noch halb verschlafen, aber wach genug um zu merken, dass etwas vor sich geht. Es ist halb drei, also mitten in der Nacht. Durch die im Weiteren folgende Wiederholung der Uhrzeit (……., “……“) übernimmt im ersten Abschnitt übernimmt dieser Hinweis eine Leitwortfunktion, die verdeutlichen soll, dass es eigentlich mitten in der Nacht ist und man zu schlafen hätte. Dies unterstreicht auch die Verwunderung der Frau als sie feststellt, dass ihr Mann nicht neben ihr im Bett liegt (…….) und als sie ihn dann in der Küche entdeckt. Auch die mehrmalige Wiederholung der Küche (….) weist auf die Überraschung und Fassungslosigkeit der Frau hin als sie ihren Mann zu der Zeit in der Küche anfindet. Der Zusammenhang von Absurdität und Fassungslosigkeit, die die Frau empfindet wird nochmals durch eine Ellipse in Zeile (…) verdeutlicht. Somit ist also klar, dass dies keine alltägliche Situation ist.
Die Frau erscheint regelrecht verletzt durch das Verhalten des Mannes. Im folgenden Absatz wird deutlich wie sehr das Handeln des Mannes die Frau enttäuscht. Sie erkennt, dass er sich am Brot bedient hat, dass auf dem Essenstisch steht. Der Parallelismus, den der Autor in Zeile (….) verwendet beschreibt die Entwicklung der Gedankengänge der Frau als sie auf den Brotteller, die Krümel und das Essen aufmerksam wird. Zudem wird dem Leser der Zusammenhang verdeutlicht, den diese Objekte bilden. Die Entwicklung der Gedanken der Frau endet darin, dass „die Kälte die Füße empor“ steigen fühlte. Und sie sah vom Teller weg.“ Die Metapher der „Kälte der Füße“ lässt in dem Leser sofort eine Assoziation einer bestimmten Kälte los, so dass das Gefühl der Frau verinnerlicht wird.
Sie scheint schockiert zu sein. Wie bereits erwähnt handelt es sich hier um keine alltägliche Situation dieser beschriebenen Ehe. Da es aus unserem heutigen Verständnis keine Untat ist sich nachts etwas zu essen zu machen, weil man beispielsweise nicht schlafen kann und etwas Appetit verspürt, lässt die Reaktion der Frau nur den Rückschluss zu, dass es sich hier um einen Ausnahmezustand hält. Die Wiederholung des Parallelismus in Zeile ? weist zusätzlich auf das Entsetzen der Frau hin. Da ihre Reaktion so untermauert und heftig ist, ist davon auszugehen, dass das Brot eine besondere Stellung einnimmt. Und da Brot im überlieferten Sinn etwas Existentielles vermittelt, scheint genau diese Existenz gefährdet zu sein.
Lassen Sie mich dies näher erläutern. Brot ist uns als Lebensmittel wohl bekannt. Es nährt. Es nährt uns, wenn wir Hunger haben. Aus unserem heutigen Verständnis sehen wir Brot eher als eine Art Grundnahrung, die ohne bestimmte Beilagen manchmal sogar etwas unappetitlich wirkt. Insofern messen wir ihm keine besondere Bedeutung zu. Einfach deshalb, weil wir es im Überschuss haben.
Aufgrund der entsetzten Reaktion der Frau liegt es nun nahe, dass dieses Brot eine größere Bedeutung hat. Und wenn Brot eine Bedeutung hat, dann doch nur, wenn es rar und schwer zu bekommen ist. Und wann ist Brot schwer zu bekommen? Nun, dann wenn sein finanzieller Wert das eigene Vermögen stark beeinträchtigt. Oder, wenn die äußeren Umstände es schwer gestalten an Brot zu kommen.
Dem Mann ist das Aufeinandertreffen in der Küche höchst unangenehm, Er versucht sein Vorhaben zu verschleiern und tut so als ob er nur nach etwas Ausschau halte, was ihn aus seinem Schlaf geweckt habe (……). Er sieht in der Küche umher um den Blicken der Frau auszuweichen.
Die Frau weiß sofort, dass er lügt. Doch sie versucht sich nichts anmerken zu lassen. Sie ist so enttäuscht von ihm und seiner kindlichen Ausweichtaktik, dass ihr die Worte zu fehlen scheinen. An dieser Stelle, in z.?, erfährt der Leser zum ersten Mal etwas aus dem Innenleben des Mannes, als dieser, wie auch seine Frau, sein Gegenüber als ziemlich alt empfindet.
Sie verflüchtigt sich in besorgtem, umsorgendem Verhalten und weist darauf hin, dass er doch lieber Schuhe angezogen hätte. Diese Aussage gibt einen Hinweis auf die Art der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten. So ist sie eher in der früher vorherrschenden weiblichen Rolle der fürsorglichen, ordentlichen (sie räumt den Teller weg, Krümel, Z.?) und sensiblen (sie weiß, dass er lügt, doch sie lässt es ihn nicht spüren) Hausfrau, während er sich in die eher typisch männliche Rolle des Beschützers flüchtet. Eine Rollenverteilung, die dem Erscheinungsdatum der Geschichte durchaus entspricht.
In Zeile ? wird nochmals mit Hilfe einer Anapher (Dass er log, dass er log….) auf die Fassungslosigkeit und Enttäuschung der Frau hingewiesen, wobei sie sich nun mehr auf die Reaktion des Mannes richtet, denn auf seine Tat.
Umgangssprachlich so in Szene gesetzt, dass die Verunsicherung und Scham des Ertappt worden seins gar spürbar ist, versucht sich der Mann aus der Bredouille zu retten (Z?::::).
Auch der Neologismus des „echote“, der seine unbeholfene Antwort in Zeile ? beschriebt ist Ausdruck einer enormen Verunsicherung. Der Mann scheint sich also wohl bewusst zu sein, dass seine Handlung nicht korrekt ist. Aber sie scheint ihm so unangenehm zu sein, dass er nicht einmal den Mut aufbringt dazu zu stehen oder sich zu rechtfertigen. Die ganze Situation ist so beschrieben als sei hier ein Tabu gebrochen worden.
Und tatsächlich erfährt der Leser im weiteren Verlauf der Geschichte, dass der Mann einen Fehler begangen hat, der gegen eine Art Kodex verstößt.
Nachdem sich die Situation so zuspitzt, dass er letztendlich heimlich im Bett das Brot isst, in dem Trugschluss seine Frau würde schlafen und nichts mitbekommen, während diese immer noch fassungslos neben ihm liegt und nur so tut als würde sie schlafen (Z.?),
kommt es am darauf folgendem Abend als der Mann nach Hause kommt zur Konsequenz des Geschehens.
Die Frau tischt ihm vier, statt der gewohnten drei Scheiben Brot auf, mit dem Verweis, sie würde auf eine verzichten, weil ihr das Brot nicht richtig bekomme. Die Ungewöhnlichkeit ihrer Handlung wird durch die Ellipse in Z.? hervorgehoben.
Vor allem die Aussprache der Frau „Am Abend bekommt mir das Brot nicht.“ (z.?) ist ein klarer Hinweis an den Mann, dass sie alles weiß. Dieser reagiert bestürzt und beschämt, da ihm bewusst ist, dass er gegen eine Regel, eine Verhaltenskodex verstoßen hat.
Diese Regeln, wie z.B. das Rationieren von Lebensmitteln waren für die Menschen in der Nachkriegszeit überlebenswichtig und die Einhaltung dessen ungeheuer bedeutsam für das funktionierende Zusammenleben in einer Gruppe. Der Zusammenhalt war nur dann gewährleistet, wenn jeder sich so gut wie möglich in sein jeweiliges soziales System einbrachte und seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse hinten anstellte. Bezug nehmend auf die bereits oben erwähnte Rollenverteilung zwischen Mann und Frau, ist das Fehlverhalten des Mannes umso gravierender zu bewerten, da er seiner Versorgerrolle kaum gerecht wird. Im Gegenteil, er nutzt für sich einen Vorteil, der für eine andere Person, in diesem Fall gar die Person, für die er auch Verantwortung trägt, zum Nachteil wird.
Nimmt man nun also die Fassungslosigkeit der Frau, die Scham und Verunsicherung des Mannes und setzt dies in Relation zur eigentlichen Handlung, nämlich, dass er nachts eine Scheibe Brot isst, so wird deutlich, dass sich dies in einer Zeit abspielt, da jede Scheibe Brot überlebenswichtig sein konnte.
Und in anbetracht des Erscheinungsdatums der Geschichte und des literatursoziologischen Hintergrundes von Kurzgeschichten, die nicht zuletzt wegen ihres starken Bezugs zur Verarbeitung der Erlebnisse des 2. Weltkrieges auch „Trümmerliteratur“ genannt wird, liegt der Schluss nahe, dass es sich auch bei der hier vorliegenden Kurzgeschichte um ein Werk handelt, das auf die vielfältigen Probleme und Schwierigkeiten dieser Zeit verweist.
Borchert möchte verdeutlichen welchen, für uns kaum noch nachvollziehbaren, Einfluss die existenziellen Ängste der Menschen in dieser Zeit auf ihr Zusammenleben und ihren Alltag hatten.



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  Interpretation "Das Brot" 12319 Tillmann24 18.05.07 22:50


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