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Ray Bradbury: Fahrenheit 451

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Daten

  • von Ray Bradbury (1920-)
  • erschienen 1953
  • ca. 180 Seiten
  • verfilmt von François Truffaut

Ausgaben (Auswahl)

Beschreibung (Achtung: enthält Inhaltsangabe!)

Zu den Autoren, denen es gelungen ist, die Klischees des technischen Zukunftsromans zu durchbrechen und zu beweisen, daß die literarische Gattung der science fiction interessante Entwicklungsmöglichkeiten hat, gehört Ray Bradbury. Er hat mit Fahrenheit 451 einen Weg fortgesetzt, auf dem Schriftsteller wie H. G. Wells, Aldous Huxley und George Orwell Marksteine gesetzt haben. Schon in seinen Kurzgeschichtenbänden The Martian Chronicles (1950) und The Illustrated Man (1951) war deutlich geworden, daß es ihm weniger um die Darstellung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts geht als um die Verlorenheit des Individuums in einer technisch perfektionierten Welt.

Die Temperatur Fahrenheit 451 entspricht 232 Grad Celsius, dem Hitzegrad, »bei dem Bücherpapier Feuer fängt und verbrennt«. In dem Staatswesen, das der Autor in eine recht nahe Zukunft projiziert, ist die Feuerwehr nicht mehr mit Wasserspritzen, sondern mit Strahlrohren ausgerüstet, die genau diesen Hitzegrad erzeugen. Sie löscht also nicht mehr Brände – sie legt Feuer. Was sie bekämpft und vernichtet, sind die letzten Zeugen individualistischen Denkens und menschlicher Besinnung in einer Welt der Automaten: die Bücher. Solange es in irgendeinem Winkel dieses Staates noch ein Buch gibt, solange noch irgendwo ein Mensch lebt, der sich in die Ideen der großen Denker versenkt, ist die absolute Konformität gefährdet. Der Feuerwehrmann Montag hat seit zwanzig Jahren mitgeholfen, elektronisch aufgespürte Bücherbesitzer zusammen mit ihren versteckten Schätzen und ihren Häusern zu vernichten. Seit aber die Begegnung mit einem noch zu selbständigem Denken erzogenen – inzwischen vom Staat beseitigten – Menschen ihn veranlaßt hat, nach dem »Warum« seiner Tätigkeit zu fragen, ist auch Montag dem System gefährlich geworden. Er entfernt sich in Gedanken immer weiter von der passiven Masse, die von Fernsehwänden und im Ohr getragenen Radiomuscheln pausenlos mit Banalitäten berieselt wird. Ein mechanischer Hund, Symbol der vom Menschen entfesselten und ihm dann entwachsenen Kräfte, soll den Abtrünnigen zur Strecke bringen. Aber – und hier erfährt dieses düstere Zukunftsbild seine einzige, allerdings entscheidende Aufhellung – Montag gelingt es, sich zu einer einsamen Gruppe von Menschen zu retten, die die Schriften der Vergangenheit Wort für Wort im Gedächtnis bewahren, um sie mündlich weitergeben zu können. In einem nur wenige Augenblicke dauernden Atomkrieg sehen Montag und die »Büchermenschen« aus der Ferne, wie die Riesenstadt, der sie entflohen sind, zerfällt.

In eindeutig kulturkritischer Absicht hat Bradbury die Auseinandersetzung mit den beängstigenden Aspekten unserer Gegenwart in das Gewand einer Zukunftsvision gekleidet. Seinem Plädoyer für die von allen Seiten bedrohte Freiheit des Denkens stellte er bezeichnenderweise ein Wort von Juan Ramón Jiménez voran: »Wenn man dir liniertes Papier gibt, schreibe quer über die Zeilen.« Das Buch verdankt seine Faszinationskraft nicht zuletzt seiner Sprache: Sie hat auch dort noch einen poetischen Klang, wo die Schauerlichkeit des Beschriebenen ihren Höhepunkt erreicht. – Christopher Isherwood hat Bradbury eine »sehr große, außergewöhnliche Begabung« bescheinigt, W. H. Auden ihn sogar »einen großen Dichter« genannt. Gertrud Baruch Kindlers neues Literaturlexikon © CD-ROM 2000 Net World Vision GmbH, Buchausgabe Kindler Verlag GmbH

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